Der erste Schnee und Stress beim öffentlichen Reden

„Müssen“ Sie auch gelegentlich öffentlich reden, in der Firma, im Ehrenamt oder bei Familienfeiern? Und macht es Ihnen auch so viel Stress? Schweißnasse Hände, zitternde Knie, piepsige Stimme? Fühlen Sie sich wie die Maus am Rednerpult, die mit vor Angst geweiteten Augen auf die Katzen im Saal starrt? Für Menschen mit wenig Routine ist es normal, da können Sie ganz beruhigt sein. Die Frage ist doch: was steht dahinter, wie kann ich Abhilfe schaffen? Mir scheint, dass dahinter die Trennung steht, die Abtrennung von sich selber und die Abtrennung von den Menschen, mit denen man es zu tun hat. Wenn man sich das klarmacht, ist eigentlich die Abhilfe gar nicht so schwierig. Dazu ein kleines Erlebnis.

Gestern Morgen, als ich die Kinder durch den frischen Schnee zur Schule fuhr, begegnete ich einer Bekannten, die begeistert strahlte (im Gegensatz zu allen anderen Eltern, die über den Schnee schimpften, in Wahrheit wohl aber über sich selbst, weil sie nicht für Winterreifen gesorgt hatten). Sie war so begeistert, weil ihre Kinder über den Schnee so begeistert waren. Sie hatte die Kinder morgens geweckt und gesagt „schaut mal aus dem Fenster“. Sofort waren die Kinder hellwach, der morgendliche Ablauf funktionierte fröhlich und zeitlich wohlgeordnet, so konnte sie strahlen.

Was hat das mit unserer öffentlichen Rede zu tun? Schaffen Sie sich Ihre Begeisterung! Freuen Sie sich über die Menschen im Saal, die vor Ihnen sitzen, Sie sind Ihnen zumeist bekannt und in der Regel sehr nett. Das einzig Fremde ist die Menge. Also schauen Sie einzelne Personen an. Freuen Sie sich an strahlenden Augen, einem Lächeln im Gesicht, an schönem Schmuck, eleganter Kleidung, einer witzigen Frisur und was Ihnen sonst noch so auffällt. Nehmen Sie sich regelrecht vor, diese Dinge wahrzunehmen, bevor Sie anfangen zu sprechen. Das dauert nur ein paar Sekunden, verändert Ihre Stimmung aber enorm. Schon beim Reingehen, beziehungsweise beim nach-vorne-Gehen, können Sie sich ein Bild von dem Raum machen und sich auch an ihm erfreuen. Es gibt immer etwas, das wir positiv wahrnehmen können. Sei es ein wohl geordnetes geschmackvoll nüchtern gestaltetes Konferenzzimmer, ein wunderschöner, festlich geschmückter Saal für eine Hochzeit oder eine Erfolge atmende Sporthalle. Jetzt haben Sie die Dinge umgekehrt. Die Informationen, die Bilder, die schönen Gesichter, strömen zu Ihnen, Sie nehmen sie auf und lassen sich von ihnen begeistern. Wie die Kinder vom Schnee. Und Ihre Rede läuft wie geschmiert.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag mit vielen erfreulichen kleinen Wahrnehmungen. Und bald wieder Schnee!

 

 

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